Wieso bin ich eigentlich unter die Imker gegangen?
Das Ganze hat 2022 angefangen. Nicht weil ich schon immer davon geträumt habe, im Schutzanzug durch summende Bienenvölker zu stapfen – sondern weil ein Bekannter einfach nicht mehr aufhören konnte, von seinen Bienen zu erzählen. Irgendwann hatte er mich. Ich wollte mehr wissen. Mehr sehen. Und vor allem: selbst ausprobieren.
Ich hatte das Bedürfnis, rauszukommen. Raus aus dem Virtuellen, raus aus dem Kopf. Ich habe Bauingenieurwesen studiert, gearbeitet habe ich dann im Investment Management – also viel Excel, wenig Erde unter den Fingernägeln. Irgendwann war mir klar: Ich will wieder etwas mit den Händen machen. Etwas, das echt ist. Und was soll ich sagen – Bienen liefern da ziemlich ab.
Der Wabenbau hat mich sofort fasziniert. Diese perfekte Geometrie! Da steckt mehr Architektur drin als in manchem Wohnhaus. Und dann dieses irre Zusammenspiel im Volk – jede Biene weiß genau, was sie zu tun hat. Ohne Chef, ohne Kaffeepause, aber mit absolutem Teamgeist. Es ist, als würde man einer kleinen Hochleistungsorganisation bei der Arbeit zusehen. Und nebenbei gibt’s noch Honig.
Natürlich lief nicht alles glatt. Die größte Herausforderung? Informationen – und unzählige, immer noch schmerzhafte Stiche. Ich dachte, ich finde ein übersichtliches Handbuch oder einen klaren Fahrplan. Stattdessen fragt man zehn Imker – und bekommt gefühlt fünfzehn Antworten. Und obwohl die wenigsten von ihnen als Berufsimker arbeiten, will jeder die effizienteste Methode kennen und beharrt felsenfest darauf, dass die eigene natürlich die beste ist. Und obwohl sie dann die beste und effizienteste Methode kennen und der eigene Honig ja eh der beste ist, hüten sie ihre Tricks wie ein Staatsgeheimnis.
Ganz zu schweigen von Fragen zu Honigerträgen oder Einnahmen – da wird’s plötzlich ganz still. Nur bei den Kosten wird gerne geredet. Da bekommst du sofort aufgelistet, was alles wie viel kostet – ausführlich, detailliert und mit dem unterschwelligen Hinweis, dass man es sich besser nochmal überlegen sollte. Als wolle man einen direkt wieder ausreden, überhaupt damit zu starten.
Klar, Informationen gibt es schon – aber oft nur vor Ort und zu bestimmten Zeiten. Wenn du Pech hast, musst du genau dann können, wenn gerade irgendwo ein Einführungskurs stattfindet. Und wenn du Glück hast, ist noch ein Platz frei.
Trotzdem: Ich bin drangeblieben. Denn ich hatte von Anfang an Lust, die Imkerei modern und jugendlich zu machen. Warum nicht? Bienen sind faszinierend – und verdienen Aufmerksamkeit, Respekt und Begeisterung. Ohne verstaubte Vereinsatmosphäre.
Heute liebe ich es, mit den Bienen zu arbeiten. Es ist beruhigend, erdend und ehrlich. Und es macht unglaublich Spaß, wenn andere anfangen, Fragen zu stellen oder sich begeistern – so wie ich damals. Und genau deshalb ist es mir wichtig, Wissen weiterzugeben – offen, verständlich und mit Freude.
Denn das Schönste an der Imkerei? Sie bringt dich zurück zu dem, was wirklich zählt. Und manchmal sogar zu dir selbst.
Veröffentlicht am 20. April 2025
Jonathan Schwab, Beekadamy – powered by JoneyBee